Spinne 2 Methode und Vorgehensweise

2.1 Das "Objekt"

Ich beschloß, meine Beobachtungen an der von Honduras bis Panama verbreiteten Kraushaarvogelspinne (Brachypelma albopilosum VALERIO, 1980) vorzunehmen. Es handelt sich hierbei um eine relativ friedliche Spinne, die bis vor wenigen Jahren noch sehr häufig in die Bundesrepublik importiert wurde, obwohl sie eigentlich recht einfach zu züchten ist.

2.2 Paarung

Brachypelma albopilosum bei der Paarung
Abb. 6: Das Männchen (rechts) nähert sich vorsichtig dem Weibchen (links)

Auch ich versuchte am 04.09.1996 mein Glück und setzte an diesem Tag ein ca. 7 Jahre altes Weibchen und ein erst ca. 2 Jahre altes Männchen der gleichen Art, das zuvor seine Geschlechtsorgane durch ein sogenanntes Spermanetz aufgefüllt hatte (eine genaue Ausführung dieses Vorganges würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen), zusammen. Eingeleitet wurde die Paarung vom Männchen durch rhythmische Klopfzeichen und schnelles Vibrieren am ganzen Körper.

Dann näherte sich das Männchen vorsichtig mit ausgestreckten Tastern, an denen sich die Geschlechtsorgane befinden, dem Weibchen. Als es nahe genug beim Weibchen war, fing es an, das Weibchen noch schneller zu beklopfen. Dieses richtete sich nun in "Drohhaltung" auf. Diesen Zeitpunkt nutzte das Männchen aus, indem es die Vorderbeine mit den Tibiaapophysen (hakenförmige Auswüchse an dem vordersten Beinpaar) zwischen den vom Weibchen gespreizten Klauen (Chelizeren) verankerte. So war es ihm möglich, das Weibchen auf Distanz zu halten.

Brachypelma albopilosum bei der Paarung

Abb. 8: Brachypelma albopilosum
bei der Paarung

Nun führte es die schon erwähnten Geschlechtsorgane (Bulben) abwechselnd in die sich am Unterleib befindende Geschlechtsöffnung (Receptacula seminis) des Weibchen ein. Die Kopulation verlief relativ friedlich, und das Männchen entfernte sich rechtzeitig (nach 1 bis 2 Minuten) vom Weibchen, da ansonsten die Gefahr besteht, daß dieses vom Weibchen aufgefressen wird, was bei jungen Vogelspinnenmännchen aber eher die Ausnahme ist.

2.3 Kokonbau und Entwicklung der Eier

4 Monate später, am 08.01.1997, baute das Weibchen einen Kokon. Dies geschah, indem sie ihre Wohnröhre (in diesem Fall eine von ihr ausgebaute Naturkorkröhre) mit Seide "austapezierte" und dann eine schüsselförmige Unterlage sponn, auf die sie ihre Eier austreten ließ. Dann wurden die Eier durch weitere Gewebeschichten verschlossen, zu einer Kugel geformt und mit weiteren Gewebeschichten stabilisiert. Leider konnte ich diesen Vorgang nicht fotografieren, weil ich dazu die Wohnröhre hätte öffnen müssen, was den Eiablagevorgang stark gefährdet hätte. Das Vogelspinnenweibchen bewachte ihren Kokon, wie es alle Vogelspinnen tun, und sorgte dafür, daß die Brut die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit hatte. So kann es bei Vogelspinnen vorkommen, daß das Muttertier den Kokon mal in die eine, mal in die andere Ecke des Terrariums trägt oder den Kokon bei zu geringer Luftfeuchtigkeit sogar in dem Trinknapf badet. Nach 8 Wochen, am 08.03.1997, schlüpften die ca. 500 Jungtiere, die zu diesem Zeitpunkt schon 3 Häutungen (die Embryonalhäutung mit eingerechnet) hinter sich hatten. Dazu öffnete das Weibchen den Kokon, um den Kleinen den Ausstieg zu erleichtern.

2.4 Versuchsaufbau

Einen Teil dieser Tiere gab ich an andere Spinnenfreunde ab. Die übrigen setzte ich einzeln in kleine Kunststoffbehälter, die ich beim Metzger bekam. Die Deckel der Behälter versah ich mit kleinen Luftlöchern und füllte etwas Humus-Torf hinein, der immer leicht feucht gehalten werden muß. Nun bildete ich 3 Gruppen zu je 30 Tieren:

Dies sind Temperaturen, denen Brachypelma albopilosum in Natur auch ausgesetzt ist.

Ich wog nun von der dritten Häutung an (nach der die Spinnen ja schlüpften) immer 10 Spinnen jeder Gruppe nach der jeweiligen Häutung. Dies war mir durch die freundliche Bereitstellung einer (Gold-)Waage, die bis auf ein hunderttausendstel Gramm genau ist, durch die Firma Inovan in Birkenfeld möglich. Ich nahm nun immer den Durchschnitt aus diesen 10 Werten und zeichnete diese zusammen mit den Häutungsabständen in ein Diagramm ein. Aus den 3 Wachstumskurven kann man nun schließen, welche der 3 Versuchsanordnungen die geeignetsten Wachstums- und Lebensbedingungen für Vogelspinnen bietet.

Außerdem bezog ich in das Ergebnis noch mit ein, wieviele Tiere jeweils überlebten und stellte Vermutungen über die Gründe an.

Dabei versuchte ich immer alle Spinnen optimal zu füttern, was dadurch erschwert wurde, daß es problematisch war, für die noch sehr kleinen Tiere das richtige Futter in der richtigen Größe zu bekommen, da die meisten Terrarienhandlungen nur 2 bis 3 Futtergrößen anbieten. Erst nach Ablauf der halben Untersuchungszeit gelang es mir einen guten Futtertierzüchter ausfindig zu machen, der optimale Futtergrößen anbietet. Von ihm bezog ich fortan das Futter. (siehe auch Fütterungsprobleme, Kap. 4.1)


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