Herzlich willkommen!
 Simons Vogelspinnenseite 

     E-mail:  Simon.C.Frank@gmx.de

Translate in English by Google.de
Translate in English by Altavista.com
Traduction vers le français des Google.de

 

Simon C. Frank  Ich heiße Simon C. Frank,
 bin 22 Jahre alt,
 wohne in Birkenfeld bei Pforzheim und in Tübingen
 und studiere in Tübingen Biologie.

Die folgende Ausarbeitung habe ich im Rahmen des Wettbewerbs "Jugend forscht" geschrieben. Ich nahm damit am 18. und 19. Februar 1998 am Regionalwettbewerb Nordbaden in Mannheim teil. Meine Startseite ist noch im Aufbau. Weitere Seiten und mehr Fotos werden folgen. Besuche diese Seite deshalb mal wieder. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen.


Als Thema meiner Wettbewerbsarbeit für "Jugend forscht"
wählte ich aus dem Fachgebiet "Biologie":
Welche Auswirkungen hat eine Veränderung
der klimatischen Bedingungen
auf Häutung und Wachstum von Vogelspinnen?

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2 Methode und Vorgehensweise 3 Ergebnisse 4 Diskussion Literaturverzeichnis
Bildernachweis

Dank

Mein besonderer Dank gilt

Kurzfassung

Auf Grund von oft sehr unzureichender Information über die Aufzuchttemperatur von Vogelspinnen, habe ich mir die Frage gestellt, welche Temperatur die geeignetste ist und welche Vorteile dieses Wissen für die Zucht von Vogelspinnen hat. Nach geglückter Verpaarung, Kokonbau und Schlupf der ca. 500 Jungtiere setzte ich einen Teil davon einzeln in kleine Kunststoffbehälter und bildete 3 Gruppen zu je 30 Tieren.

Ich wog nun, nach jeder Häutung, immer 10 Spinnen aus der jeweiligen Gruppe und bildete den Durchschnitt aus diesen Wiegergebnissen. Diese Ergebnisse trug ich zusammen mit den Häutungsabständen in ein Kurvendiagramm ein. Anhand dieses Diagramms und anderer Aufzeichnungen kann man nun schließen, welche Lebensbedingungen für junge Vogelspinnen optimal sind.

Es hat sich gezeigt, daß im Gegensatz zu häufigen Empfehlungen einer nächtlichen Temperaturabsenkung in der Literatur über Vogelspinnen, eine gleichmäßig warme Temperatur zu einem besseren Wachstum führt. Außerdem ist die Sterberate bei schwankenden Temperaturen etwas höher.

Andererseits haben meine Versuchsresultate ergeben, daß 30°C, obwohl dies auch den natürlichen Tagestemperaturen in den tropischen Heimatländern der Vogelspinnen entspricht, eher etwas zu viel ist, was sich in der Sterberate ausdrückt.

Ich empfehle deshalb, Vogelspinnen bei einer gleichmäßigen Temperatur von ca. 27-28°C zu halten. Natürlich muß diese Temperaturangabe auf die jeweilige Art abgestimmt werden.

Außerdem kann man sich, wenn man die Unterschiede im Wachstum der Tiere der einzelnen Gruppen sieht, gut vorstellen, daß es möglich ist, verschiedengeschlechtliche Tiere gleichzeitig geschlechtsreif werden zu lassen, was unter "normalen" Verhältnissen nicht möglich ist. So wäre es möglich, Tiere aus einem Kokon wieder miteinander zu verpaaren und somit die Zucht seltener Vogelspinnenarten zu sichern.

1 Einleitung

Spinne Obwohl Spinnen, und gerade große Spinnen, auf viele Menschen abstoßend und ekelerregend wirken, üben sie auf mich schon lange eine große Faszination aus. Ich beobachtete schon als kleiner Junge Kreuzspinnen und andere interessante Spinnen in unserem Garten, auf Wiesen und in Wäldern. Und vor allem exotische und große Spinnentiere hatten es mir bald angetan. So bekam ich am 16. Oktober 1993, anläßlich der Auflösung einer Zoohandlung, meine erste Vogelspinne. Vorerst blieb es bei dieser einen Spinne. Doch als ich ungefähr ein Jahr später durch Zufall einen Vogelspinnenzüchter, der nur 10 Kilometer von uns entfernt wohnt, kennenlernte, stieg die Zahl meiner "Haustierchen" schnell an. Durch ihn erfuhr ich von sogenannten "Vogelspinnenbörsen". Meine Leidenschaft für diese faszinierenden Tiere war nun unaufhaltsam geweckt. Ich begann, mich in sämtliche deutsche Literatur über Spinnen einzulesen und mich mit anderen Spinnenfreunden zu unterhalten. Seit Mai 1997 bin ich Mitglied in der "Deutschen Arachnologischen Gesellschaft e.V." (DeArGe e.V.), die sich für die Erforschung, den Schutz und Aufklärungsarbeit über Spinnentiere einsetzt. Ich besitze zur Zeit etwas mehr als 100 Vogelspinnen, von ca. 1 bis 25 cm Beinspannweite. Es handelt sich hierbei um 16 verschiedene Arten. 13 davon stammen ursprünglich aus Mittel- und Südamerika, 2 aus Afrika und 1 aus Asien.

Die Zahl der Literatur über Spinnen steigt zwar ständig an, und es gibt auch einige gute Bücher, aber wenn man nach einem bestimmten Thema sucht, gleicht dies oft der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Und auch die Medien bringen meist nur unzureichende und nicht selten falsche (Sensations-)Information über dieses von vielen Menschen vorverurteilte Thema. So ist es nicht verwunderlich, daß tief in unsere Kultur verwurzelte Ängste nicht so leicht aus der Welt zu schaffen sind. Dabei übersteigt die Zahl derer, die weltweit durch Bienen- und Wespenstiche ums Leben kommen, bei weitem die durch Spinnen verursachten Todesfälle.

Und auch der Nutzen, der von Spinnen ausgeht, wird oft gar nicht beachtet oder zumindest unterschätzt. Sind sie doch wegen ihrer Vorliebe für Insekten unersetzbare Nützlinge und ein nicht wegzudenkender Teil der so faszinierenden und funktionierenden (zumindest so lange der Mensch nicht eingreift) Nahrungskette. So ist das Gewicht aller Insekten, die jedes Jahr von Spinnentieren gefressen werden größer als das aller heute lebenden Menschen.

Ich halte die folgenden 5 Kapitel wichtig für das Verständnis meiner Untersuchung, da hierzu ein wenig Grundwissen unerläßlich ist. Aus diesem Grund habe ich versucht einen kleinen Eindruck über die Welt der (Vogel-)Spinnen so kurz wie möglich/nötig zusammenzufassen.

1.1 Allgemeine Informationen über Vogelspinnen

Die ersten Vogelspinnen werden in die Zeit vor 300 Millionen Jahren eingeordnet. Noch vor 2 Millionen Jahren gab es sie auch in Deutschland. Sie werden oft fälschlicherweise Tarantel genannt, was daher kommt, daß sie im amerikanischen Sprachgebrauch als "Tarantulas" bezeichnet werden. Diese Bezeichnung ist aber nicht richtig, da Taranteln einer anderen (Spinnen-) Familie, ja sogar einer anderen Unterordnung angehören. Weltweit sind heute ungefähr 800 Arten von Vogelspinnen bekannt. Ihre Körpergröße kann je nach Art zwischen weniger als 2 bis mehr als 12 cm variieren. Dies entspricht dann einer Beinspannweite von bis zu 30 cm. Es gibt Vogelspinnen die auf Bäumen, auf dem Boden oder in Erdgängen leben. Vogelspinnen sind weltweit in tropischen und teilweise in subtropischen Regionen anzutreffen. So sind Arten aus den USA, Mittel-, und Südamerika, Afrika, Asien, Australien und sogar aus Südeuropa bekannt. Sie zählen zu den ca. 34.000 bekannten Webspinnenarten (Araneae).

1.2 Gefährlichkeit von Vogelspinnen

Trotz des steigenden Interesses für Spinnen sind noch viele Einzelheiten über diese Tiere unklar. Sicher ist jedoch, daß im Gegensatz zu häufigen Behauptungen von seiten der Medien keine Vogelspinnenart bekannt ist, die dem Menschen gefährlich werden kann. BÜCHERL berichtet in seinem Buch, schon mehrmals von Vogelspinnen gebissen worden zu sein, ohne einen Schmerz verspürt zu haben. Der nordamerikanische Forscher KASTON (nach SCHMIDT) vergleicht den Biß von den in den USA vorkommenden Arten mit der Intensität eines Bienenstichs. Auch VON WIRTH beschreibt die Wirkung von Vogelspinnengift mit einem Bienenstich und erklärt, daß das Gift lediglich zum Töten kleiner Wirbeltiere, zum Beispiel von Mäusen, ausreicht. Dies ist bei Vogelspinnen auch sehr sinnvoll, da diese noch sehr ursprünglichen Spinnen, sehr kräftig und deshalb nicht so sehr auf das Gift angewiesen sind wie beispielsweise die bekannte Schwarze Witwe. Außerdem besitzen viele lateinamerikanische Arten sogenannte Reiz- oder Brennhaare auf dem Hinterleib (Abdomen), die sie bei Gefahr dem Angreifer durch schnelle Bewegungen der Hinterbeine entgegenschleudern. Solche Reizhaare verursachen aber lediglich leichte Juckreize auf der Haut, oder wenn sie eingeatmet werden ein Kratzen im Hals. Ich selbst bin in den über 4 Jahren, in denen ich mich mit Vogelspinnen beschäftige, noch nie von dieser Tierfamilie gebissen worden. Es gibt also keinen vernünftigen Grund, vor diesen Tieren Angst zu haben.

1.3 Ernährung

Vogelspinne (Grammostola grossa) frißt eine Heuschrecke

Abb. 1: Vogelspinne (Grammostola grossa)
frißt eine Heuschrecke

Vogelspinnen ernähren sich hauptsächlich von Insekten aller Art, aber auch Spinnen (nicht selten die eigenen Verwandten), sowie kleine Reptilien und Amphibien, kleine Säugetiere und im Ausnahmefall junge Vögel werden nicht verschmäht. Aus diesem Grund, und weil darüber hinaus baumbewohnende Arten mit gespreizten Beinen "vogelähnliche" Gleitflüge vollbringen können, werden sie Vogelspinnen genannt. Da Spinnen eine sehr dünne Speiseröhre besitzen, müssen sie ihre Beute außerhalb des Körpers vorverdauen. Dies geschieht, indem die Tiere enzymhaltige Verdauungssekrete, die aus dem Saugmagen stammen, absondern und gleichzeitig das Futtertier durch Kaubewegungen zerkleinern und zu einer Kugel formen. Diese wird dann nach und nach ausgedrückt und die austretende, vorverdaute Nahrung eingesogen. Insgesamt fressen Vogelspinnen jedoch relativ wenig, da sie durch ihr passives Verhalten und durch ihren sparsamen Stoffwechsel nur sehr wenig Energie verbrauchen. So füttert man ausgewachsene Vogelspinnen nur etwa alle 1 bis 2 Wochen. Aber auch längere Futterpausen (bis zu einem Jahr) schaden einer gutgenährten Vogelspinne nicht.

1.4 Häutung und Wachstum

Der Körper von Vogelspinnen wird von einem festen Exoskelett (Cuticula) umgeben, das nicht in der Lage ist zu wachsen. Es besteht aus einer Grundmasse (Protein) und einem eingelagerten Fasergerüst (Chitin) und ähnelt sehr der Insektencuticula. Aus diesem Grund müssen sich Spinnen in gewissen Abständen einer Häutung unterziehen. Diese ermöglicht ihnen das Wachstum und eventuell das Ersetzen fehlender Gliedmaßen. Der Häutungsvorgang ist eine komplizierte und für die Spinne sehr anstrengende Angelegenheit. Vogelspinnen weben sich hierzu einen Häutungsteppich, auf dem sie sich dann in Rückenlage begeben. Eingeleitet und gesteuert von dem Hormon Ecdyson wird nun nach Erhöhung des Drucks im Kopf-Bruststück (Cephalothorax) die Haut aufgebrochen, und der Körper und die Beine nach und nach herausgezogen. Übrig bleibt eine der Spinne sehr ähnlich sehende Haut (Exuvie), die von Laien oft für eine tote oder sogar für eine lebende Spinne gehalten wird. Der gesamte Häutungsvorgang dauert je nach Alter der Vogelspinne zwischen 1 bis 24 Stunden.

Beginn der Häutung Brachypelma albopilosum liegt auf dem Rücken

Links: Abb. 2: - Brachypelma albopilosum liegt auf dem Rücken
Rechts: Abb. 3 - Beginn der Häutung

Brachypelma albopilosum während der Häutung Die Häutung ist fast abgeschlossen

Links: Abb. 4 - Brachypelma albopilosum während der Häutung
Rechts: Abb. 5: - Die Häutung ist fast abgeschlossen

1.5 Fortpflanzung

Glücklicherweise stammen heute die meisten Vogelspinnen aus Zuchten und nicht aus Wildfängen. Vogelspinnen bauen zwischen 3 Wochen und 6 Monaten nach geglückter Paarung einen Kokon, in den sie je nach Art zwischen 50 und 1200 Eier legen. 4 bis 12 Wochen später schlüpfen die winzigen Jungtiere, die bis zu diesem Zeitpunkt schon 2 bis 3 Häutungen hinter sich haben. Da sie nach der 3. Häutung anfangen Nahrung aufzunehmen, muß man sie nun unverzüglich voneinander trennen, um ein gegenseitiges Auffressen (wie es auch in der Natur der Fall ist) zu vermeiden. Überhaupt erreichen in der Natur (nach BÜCHERL) von 400 Jungtieren schätzungsweise nur zwei bis drei Weibchen und vielleicht vier bis sechs Männchen die Geschlechtsreife. Diesen hohen Verlust, verursacht durch mißglückte Häutungen, Feinde, Krankheiten und schlechte Witterungsverhältnisse, versucht man bei Nachzuchten natürlich zu minimieren. Trotzdem wird man immer mit Verlusten rechnen müssen. Doch herrscht vor allem über den von menschlicher Seite beeinflußbaren Faktor der Wärmeintensität noch Unklarheit: So halten die einen Züchter ihre "Spiderlinge" bei Zimmertemperatur, andere dagegen halten ein sehr warmes Lebensmilieu für am besten. Aus Unkenntnis der tatsächlich optimalen Bedingungen wachsen viele Spinnen nur sehr langsam oder sterben frühzeitig.

1.6 Fragestellung

Aus diesem Grund habe ich mir für die vorliegende Arbeit folgende Frage gestellt:

Spinne 2 Methode und Vorgehensweise

2.1 Das "Objekt"

Ich beschloß, meine Beobachtungen an der von Honduras bis Panama verbreiteten Kraushaarvogelspinne (Brachypelma albopilosum VALERIO, 1980) vorzunehmen. Es handelt sich hierbei um eine relativ friedliche Spinne, die bis vor wenigen Jahren noch sehr häufig in die Bundesrepublik importiert wurde, obwohl sie eigentlich recht einfach zu züchten ist.

2.2 Paarung

Brachypelma albopilosum bei der Paarung
Abb. 6: Das Männchen (rechts) nähert sich vorsichtig dem Weibchen (links)

Auch ich versuchte am 04.09.1996 mein Glück und setzte an diesem Tag ein ca. 7 Jahre altes Weibchen und ein erst ca. 2 Jahre altes Männchen der gleichen Art, das zuvor seine Geschlechtsorgane durch ein sogenanntes Spermanetz aufgefüllt hatte (eine genaue Ausführung dieses Vorganges würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen), zusammen. Eingeleitet wurde die Paarung vom Männchen durch rhythmische Klopfzeichen und schnelles Vibrieren am ganzen Körper.

Dann näherte sich das Männchen vorsichtig mit ausgestreckten Tastern, an denen sich die Geschlechtsorgane befinden, dem Weibchen. Als es nahe genug beim Weibchen war, fing es an, das Weibchen noch schneller zu beklopfen. Dieses richtete sich nun in "Drohhaltung" auf. Diesen Zeitpunkt nutzte das Männchen aus, indem es die Vorderbeine mit den Tibiaapophysen (hakenförmige Auswüchse an dem vordersten Beinpaar) zwischen den vom Weibchen gespreizten Klauen (Chelizeren) verankerte. So war es ihm möglich, das Weibchen auf Distanz zu halten.

Brachypelma albopilosum bei der Paarung

Abb. 7: Brachypelma albopilosum
bei der Paarung

Nun führte es die schon erwähnten Geschlechtsorgane (Bulben) abwechselnd in die sich am Unterleib befindende Geschlechtsöffnung (Receptacula seminis) des Weibchen ein. Die Kopulation verlief relativ friedlich, und das Männchen entfernte sich rechtzeitig (nach 1 bis 2 Minuten) vom Weibchen, da ansonsten die Gefahr besteht, daß dieses vom Weibchen aufgefressen wird, was bei jungen Vogelspinnenmännchen aber eher die Ausnahme ist.

2.3 Kokonbau und Entwicklung der Eier

4 Monate später, am 08.01.1997, baute das Weibchen einen Kokon. Dies geschah, indem sie ihre Wohnröhre (in diesem Fall eine von ihr ausgebaute Naturkorkröhre) mit Seide "austapezierte" und dann eine schüsselförmige Unterlage sponn, auf die sie ihre Eier austreten ließ. Dann wurden die Eier durch weitere Gewebeschichten verschlossen, zu einer Kugel geformt und mit weiteren Gewebeschichten stabilisiert. Leider konnte ich diesen Vorgang nicht fotografieren, weil ich dazu die Wohnröhre hätte öffnen müssen, was den Eiablagevorgang stark gefährdet hätte. Das Vogelspinnenweibchen bewachte ihren Kokon, wie es alle Vogelspinnen tun, und sorgte dafür, daß die Brut die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit hatte. So kann es bei Vogelspinnen vorkommen, daß das Muttertier den Kokon mal in die eine, mal in die andere Ecke des Terrariums trägt oder den Kokon bei zu geringer Luftfeuchtigkeit sogar in dem Trinknapf badet. Nach 8 Wochen, am 08.03.1997, schlüpften die ca. 500 Jungtiere, die zu diesem Zeitpunkt schon 3 Häutungen (die Embryonalhäutung mit eingerechnet) hinter sich hatten. Dazu öffnete das Weibchen den Kokon, um den Kleinen den Ausstieg zu erleichtern.

2.4 Versuchsaufbau

Einen Teil dieser Tiere gab ich an andere Spinnenfreunde ab. Die übrigen setzte ich einzeln in kleine Kunststoffbehälter, die ich beim Metzger bekam. Die Deckel der Behälter versah ich mit kleinen Luftlöchern und füllte etwas Humus-Torf hinein, der immer leicht feucht gehalten werden muß. Nun bildete ich 3 Gruppen zu je 30 Tieren:

Dies sind Temperaturen, denen Brachypelma albopilosum in Natur auch ausgesetzt ist.

Ich wog nun von der dritten Häutung an (nach der die Spinnen ja schlüpften) immer 10 Spinnen jeder Gruppe nach der jeweiligen Häutung. Dies war mir durch die freundliche Bereitstellung einer (Gold-)Waage, die bis auf ein hunderttausendstel Gramm genau ist, durch die Firma Inovan in Birkenfeld möglich. Ich nahm nun immer den Durchschnitt aus diesen 10 Werten und zeichnete diese zusammen mit den Häutungsabständen in ein Diagramm ein. Aus den 3 Wachstumskurven kann man nun schließen, welche der 3 Versuchsanordnungen die geeignetsten Wachstums- und Lebensbedingungen für Vogelspinnen bietet.

Außerdem bezog ich in das Ergebnis noch mit ein, wieviele Tiere jeweils überlebten und stellte Vermutungen über die Gründe an.

Dabei versuchte ich immer alle Spinnen optimal zu füttern, was dadurch erschwert wurde, daß es problematisch war, für die noch sehr kleinen Tiere das richtige Futter in der richtigen Größe zu bekommen, da die meisten Terrarienhandlungen nur 2 bis 3 Futtergrößen anbieten. Erst nach Ablauf der halben Untersuchungszeit gelang es mir einen guten Futtertierzüchter ausfindig zu machen, der optimale Futtergrößen anbietet. Von ihm bezog ich fortan das Futter. (siehe auch Fütterungsprobleme, Kap. 4.1) Spinne

3 Ergebnisse

3.1 Tabellen und Diagramme

3.1.1 Ergebnisübersicht:


Gruppe 1
(30° C)
Gruppe 2
(20°/30° C)
Gruppe 3
(20° C)
      1. Häutung      
1. Häutung
1. Häutung
06.04.1997
19.04.1997
22.05.1997
16,02 mg
17,28 mg
21,66 mg
2. Häutung
2. Häutung
2. Häutung
21.06.1997
29.06.1997
27.08.1997
27,86 mg
25,89 mg
30,31 mg
3. Häutung
3. Häutung
3. Häutung
12.09.1997
29.08.1997
12.01.1998
52,24 mg
47,01 mg
76,31 mg
4. Häutung
4. Häutung
4. Häutung
09.11.1997
04.12.1997
bei Versuchsende
noch nicht erfolgt
96,28 mg
84,60 mg
bei Versuchsende
noch nicht erfolgt
5. Häutung
5. Häutung
5. Häutung
03.01.1998
bei Versuchsende
noch nicht erfolgt
bei Versuchsende
noch nicht erfolgt
181,80 mg
bei Versuchsende
noch nicht erfolgt
bei Versuchsende
noch nicht erfolgt
Tabelle 1: Diese Tabelle zeigt den durchschnittlichen Häutungstag, aller, der Gruppe angehörigen Spinnen, sowie das durchschnittliche Gewicht in Milligramm (1 mg =0,001 g), gemessen an jeweils 10 Spinnen aus einer Gruppe.

3.1.2 Kurvendiagramm

Verlauf der Gewichtszunahme und der Häutungsabstände

Tabelle 2 (Diagramm): Dieses Diagramm zeigt den Verlauf der Gewichtszunahme und die Häutungsabstände der einzelnen Gruppen.
— — —    =    Gruppe 1
— — —    =    Gruppe 2
— — —    =    Gruppe 3

3.1.3 Ergebnisse in Kürze

  Gruppe 1
(30° C)
Gruppe 2
(20°/30° C)
Gruppe 3
(20° C)
Durchschnittliche Häutungsabstände
8,6 Wochen
9,7 Wochen
14,7 Wochen
Durchschnittliche Gewichtszunahme
78,9 Prozent
71,3 Prozent
102,9 Prozent
Sterberate
40 Prozent
46 Prozent
3 Prozent
Tabelle 3: Übersicht Häutungsabstände, Gewichtszunahme und Sterberate

3.2 Zusammenfassung

3.2.1 Häutungsabstände

3.2.2 Gewichtszunahme

Diese Werte sollten nicht so wichtig genommen werden (siehe Fütterungsprobleme, Kap. 4.1).

3.2.3 Sterberate

3.3 Auswertung

Wie auf dem Diagramm zu sehen ist, liegen die Kurven aller 3 Gruppen am Anfang noch dicht beieinander. Doch mit der Zeit trennen sie sich mehr und mehr voneinander.

Die bei geringeren Temperaturen aufwachsende Gruppe 3 hat keine Chance mit dem Wachstum von Gruppe 1 und Gruppe 2 mitzuhalten. Doch war bei Gruppe 3 auffällig, daß die Tiere aus dieser Gruppe durch eine nicht unwesentlich höhere Gewichtszunahme je Häutung einen Teil des durch die längeren Häutungsabstände verursachten Zeitverlust kompensierten. Doch wird sich die Kurve dieser Gruppe bei weiterer Beobachtung vermutlich mehr und mehr von denen der beiden anderen Gruppen in Richtung Beobachtungswochen-Achse verabschieden.

Die Kurve der Gruppe 2 dagegen schafft es länger, sich an der Seite der Kurve von Gruppe 1 zu halten. Doch auch sie wird, wie zu vermuten ist, nicht mit dem Wachstum von Gruppe 1 mithalten können.

4 Diskussion

4.1 Fütterungsprobleme

Spinne Die Futterbeschaffung hat sich vor allem in den ersten Monaten als das größte Problem erwiesen. Zu diesem Zeitpunkt bezog ich meine Futtertiere (meist Heimchen) aus einer Zoohandlung in der Nachbarstadt. Sie war die einzige Zoohandlung in der Nähe, die dieses Futter anbot. Doch bekam ich bei ihr nur die beiden Futtergrößen "Groß" und "Mittel". Das Erstere schied für die kleinen Babyspinnen von vornherein aus. In den Packungen "Mittel" waren aber einmal Tiere von 4 mm Größe und das andere mal von über 15 mm. Oft schwankte auch die Größe der einzelnen Tiere in einer Packung in diesem Bereich. Diese Umstände machten es mir sehr schwer, meine Tiere immer optimal zu füttern.

Dies hat zur Folge, daß man das Ergebnis nicht so sehr auf die durchschnittliche Gewichtszunahme beschränken, sondern vielmehr die Häutungsabstände und die Sterberate in den Vordergrund stellen sollte.

4.2 Diskussion der experimentellen Ergebnisse

4.2.1 Nächtliche Temperaturabsenkung

Die Ergebnisse dieser Tabelle(n) sind sehr erstaunlich, da in vielen Büchern über Vogelspinnenhaltung eine nächtliche Temperaturabsenkung empfohlen wird. Solchen Temperaturschwankungen sind Vogelspinnen schließlich auch in ihrem natürlichen Lebensraum in der freien Natur ausgesetzt. Doch hat sich bei meinem Langzeitversuch gezeigt, daß dies zu einem schlechteren Wachstum führt. Die durchschnittlichen Häutungsabstände bei Gruppe 2 sind um eine Woche länger als bei Gruppe 1, die durchschnittliche Gewichtszunahme ist etwas geringer als bei den anderen Gruppen und, sogar die Sterberate ist etwas höher, als bei Gruppe 1.

4.2.2 Vergleich zur Natur

Dies ist meiner Meinung nach sehr bemerkenswert, da man annehmen sollte, die jeweiligen natürlichen Gegebenheiten seien für die darin lebenden Tiere die optimalen Bedingungen. Doch hat sich im Hinblick auf das Wachstum und die Sterberate das Gegenteil gezeigt.

Man weiß heute, daß Spinnen zwar zu den wechselwarmen Tieren zählen, ihre Körpertemperatur jedoch nicht einfach der Umgebungstemperatur folgt, sondern von der Spinne durch entsprechende Verhaltensänderungen aktiv beeinflußt werden kann. Doch ist über dieses Thema noch sehr wenig bekannt, da erst in den letzten Jahre begonnen wurde, darüber zu forschen.

4.2.3 Erklärungsansatz

Vielleicht liegt eine mögliche Erklärung darin, daß die ständig schwankenden Temperaturen in dem stark von der Umgebungstemperatur abhängigen Organismus der Spinne ein ebenfalls ständiges Auf und Ab bewirken, was die Spinne ständig auszugleichen versucht und somit stark strapaziert. Man kann also an Hand dieser Vermutung versuchen, das Wachstum und die Überlebensrate in Gefangenschaft zu optimieren.

4.2.4 Temperatur und Gewichtszunahme

Auch die Ergebnisse bei Gruppe 3 sind von besonderen Interesse. Auffällig ist, daß die durchschnittliche Gewichtszunahme von Häutung zu Häutung höher als bei den beiden anderen Gruppen ist. Dies hängt damit zusammen, daß die Spinnen aus dieser Gruppe einen längeren Zeitraum von Häutung zu Häutung aufweisen, und somit mehr Zeit zum Fressen hatten. Außerdem schienen sie zeitweise "gieriger" nach Futter zu sein, als die wärmer stehenden Spinnen.

4.2.5 Temperatur und Sterberate

Des weiteren ist die geringe Sterberate bei Gruppe 3 ist hervorzuheben und nur schwer zu erklären. Ich versuche dies damit zu deuten, daß durch die geringen Temperaturen der ganze Stoffwechsel langsamer abläuft, was sich auch in den signifikant längeren Häutungsabständen ausdrückt. Dies versuchen die Spinnen ständig durch aktive Temperaturerhöhung auszugleichen, was sicher eine große Anstrengung darstellt. Vermutlich verringern sich andererseits bei geringeren Temperaturen die mit höheren Temperaturen verbundenen Risiken. Diese sind zum Beispiel ein hoher Flüssigkeitsverlust, vor allem bei der Häutung, oder eine Überhitzung des Spinnenkörpers. So wäre die geringe Sterberate zu erklären.

4.2.6 Temperatur und RGT-Regel

Das schnellere Wachstum der Vogelspinnen bei höheren Temperaturen läßt meines Erachtens einen Zusammenhang mit der sogenannten RGT-Regel (Reaktion-Geschwindigkeit-Temperatur-Regel, nach ihrem Entdecker auch Van-t-Hoff-Regel genannt) erkennen. Die RGT-Regel besagt als Faustregel, daß sich die Reaktionsgeschwindigkeit bei chemischen und biochemischen Abläufen bei einer Temperaturerhöhung um 10°C etwa verdoppelt, das heißt, daß zwischen Reaktionsgeschwindigkeit und Temperatur eine Abhängigkeit besteht. Ich schließe aus meinen Beobachtungen, daß diese Regel zumindest angenähert auch auf die Wachstumsgeschwindigkeit der jungen Vogelspinnen angewendet werden kann. Schließlich spielen bei allen Vorgängen in der Natur auch chemische Reaktionen eine entscheidende Rolle - so auch beim Wachstum der jungen Tiere: Bei niedrigen Temperaturen laufen alle Lebensvorgänge gleichsam auf Sparflamme ab. Aus meiner Langzeiterfahrung kann ich sagen: Die Spinnen altern langsamer und leben dafür länger.

4.3 Beantwortung der Fragestellung

Die Frage, welche Bedingungen nun die geeignetsten sind, kann als Ergebnis meiner Versuchsreihe eindeutig beantwortet werden:

Diese Erkenntnisse führen zu folgender Empfehlung:
Um ein optimales Ergebnis in der Aufzucht von Vogelspinnen zu erzielen, sollte man die Tiere je nach Art und Herkunft 2 bis 3°C kühler als bei Versuchsgruppe 1 aufwachsen lassen, also bei einer Temperatur um 27 bis 28°C.

So müßte es möglich sein, eine annähernd so geringe Sterberate wie bei Gruppe 3 bei annähernd optimalem Wachstum zu erreichen.

4.4 Erkenntnisse für die Zucht

Wenn man nun diese extremen Wachstumsdifferenzen zwischen den einzelnen Gruppen sieht, kann man sich gut vorstellen, daß es möglich ist, verschiedengeschlechtliche Tiere so aufzuziehen, daß sie zu einem annähernd gleichen Zeitpunkt geschlechtsreif werden. So wäre es möglich, auch seltene Vogelspinnenarten, bei denen oft nur sehr wenige Tiere für die Zucht zur Verfügung stehen, nachzuzüchten. Normalerweise ist dies nicht möglich, da weibliche Vogelspinnen zwischen 3 und 7 Jahre bis zur Geschlechtsreife benötigen, männliche Tiere dagegen nur 18 Monate bis 5 Jahre. Weibliche Vogelspinnen können im adulten Stadium noch 12 bis 25 Jahre leben, männliche Tiere dagegen nur etwa 9 Monate bis 3 Jahre. Aus diesem Grund sind die männlichen Tiere meist schon längst gestorben, wenn die weiblichen Tiere gerade einmal geschlechtsreif werden.

Man müßte hierzu die weiblichen Tiere von den männlichen separieren und diese dann unter optimalen Bedingungen großziehen, während man die Männchen auf "Sparflamme" langsamer geschlechtsreif werden zu lassen. Diese Tatsache wird nur kurz von KLAAS angesprochen, wurde meines Wissens aber nur für wenige Arten weiterverfolgt.

Literaturverzeichnis

Bücher

Zeitschriften

Internet

Bildernachweis

Meine größte Vogelspinne
"Meine größte Vogelspinne". ;-)


Zurück zur Startseite

©  Copyright   Simon C. Frank 1998
URL of this page: www.blue-planet.org /jufo-all.htm

Email Bitte senden Sie Hinweise und Verbesserungsvorschläge (Korrekturen, Hinzunahme von interessanten Links) per E-mail an Simon.C.Frank@gmx.de

• Impressum •